Santo Domingo – Belorado

Meine Zimmernachbarn bauen mit Hammer und Meißel zwei Schränke zusammmen oder auseinander, zumindest klingt der Aufbruch dieser Pilgervögel so in meinen Ohren. Der Blick aus schlaftrunkenen Augen lässt mich die Ziffern 5:45 auf dem Handydisplay erahnen. Ok, dann ist das eben so. Um 6.30 Uhr bin ich auf dem Weg, noch immer somnambul. Das hat den Vorteil, das man erwacht und schon 7 km gelaufen ist. Das hat den Nachteil, dass ich mich zwei Mal verlaufe.

Durch die kräftigen Regenfälle der letzten beiden Tage ist es heute morgen leider schon extrem schwül, beim ersten Stop muss ich meine klitschnasse Oberbekleidung wechseln. Zum Frühstück gönne ich mit einen Cortado, einen kalten Kakao und ein Napolitano (eine Art Schoko Croissant) zu lässiger Swing Musik aus dem Lautsprecher der Bar in Grañón. Für einen Augenblick vergesse ich meine schweren Beine, aber dann wird die Musik arg laut und nervig. Gegenüber hat die Kirche geöffnet, ich betrete das Dunkel des Gebäudes und schaue mich um. Ich höre Gesang, es klingt angenehm und ich setze mich. Dankbarkeit und Freude sind auf einmal da. Dann verstummt die Musik und jemand spricht auf englisch, die Musik kam also gar nicht vom Band, sondern da haben ein paar Pilger gesungen und halten oben auf der Empore Andacht. Diese 5 Minuten haben mich berührt.

Ich eiere weiter über den Weg, zwischenzeitlich läuft es besser, aber alles in allem eher zäh. Ich mache nach 12 km eine weitere Kaffepause, da laufen mir die drei Amerikannerinen entgegen. Sie gehen heute ihre letzte Etappe, wir vereinbaren, uns 5 km vor dem heutigen Ziel zu treffen und einen letzten Sangria zu genießen.

Es wird immer wärmer, ich wechsele in den StumpfistTrumpf-Modus. Jetzt fließt der Weg, ich verlasse Rioja und betrete Kastillien-Leon, und auf einmal (obwohl 2 STD vergangen sind) befinde ich mich bei dem verabredeten Treffpunkt. Wir teilen uns einen Krug Sangria, danach steht mir der Sinn nach einem Gin Tonic, der wird hier nämlich in Badewannengrösse und mit jedem Furz und Feuerstein (Zitronenzeste, Pfefferkörner und gefrorenen Tonicwürfeln) serviert. Die letzten 5km habe ich also einen Grund zu eiern. Ich passiere die wirklich professionell, aber ein wenig lieblos geführte Albuerge auf der rechten Seite, und checke im Hotel La Huelle ein. 32 Euro, Einzelzimmer, super sauber, nette Wirtsleute und meine Wäsche wird auch für kleinstes Geld gewaschen.

Es läuft das WM Spiel Spanien – Russland, es steht 1:0, die anderen Gäste sind angenehm unaufgeregt. Mal sehen, wie es ausgeht…

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