Santander – Castro Urdiales

Was für ein Tag.

Gestern noch das Leiden Jesu Christi auf dem Leiterwagen, heute der Roadrunner. Weit mehr als 30 km gelaufen, davon 10km barfuß im Sand, 2 Fähren genutzt und noch Bus gefahren….

Ob ich weiter Richtung Santiago via Gijon, oder Richtung Westen, also entgegengesetzt des Camino Norte nach Irun laufe, darüber zerbreche ich mir gestern den Kopf. Kam aber nicht weiter, und verschob die Entscheidung auf den heutigen Morgen. Nach einer wundervoll durchträumten Nacht trete ich vor das Hotel: eigentlich will ich aus Regenerationsgründen nicht lange laufen, außerdem sind für nachmittags Regenfälle vorhergesagt. Andererseits sind für morgen schwerste Regefälle UND schwerste Gewitter prognostiziert.

Eine 40 köpfige Gruppe mit Camino Insignien läuft schnatternd an mir vorbei, Richtung Westen, also Santiago. Gut, somit sind die Würfel gefallen und ich setze mich in entgegengesetzter Richtung in Bewegung.

Upps, da ist auch schon die Fähre welche die Bucht von Santander Richtung Somos überquert. Ich habe zwar noch nichts gefrühstückt und auch kein Wasser für den Weg gekauft, aber irgendeine Bar wird schon aufhaben am Weg. (Es hat keine Bar auf. Über 3 Stunden laufe ich am Strand und über die Steilküste, als ich endlich in Galiziano versuche etwas zu bestellen, rieselt Sand aus meinem Mund, so trocken ist er. Das ist übrigens auch ein gewaltiger Unterschied zum Camino Frances, dort gibt es in der Regel spätestens alle Stunde eine Rastmöglichkeit).

ABER: als ich den Fuß von der Fähre setze und den weiten, weiten Strand von Somos betrete, fällt erst einmal alles von mir ab. Die Brandung rauscht, die ersten Surfer sind im Wasser, es ist zwar schwül, aber nicht zu warm, es ist einfach perfekt. Ok, etwas später verlaufe ich mich zweimal übelst an den Steilklippen weil der Weg natürlich entgegengesetzt ausgeschildert ist, aber irgendeinen Tod stirbt man ja immer…

Ich laufe an der Bucht von Langres vorüber, wieder viele Surfer. Mir erscheinen sie ein wenig überheblich, gegrüßt wird kaum. Vielleicht weil ich nicht in meinem Billabong Shirt laufe? Dafür kommen mir ganz ordentlich Wanderer entgegen, geschätzt 60 allein oder in kleinen Grüppchen, allerdings auch zwei große Gruppen á ca 30 Personen. Die schauen etwas verwundert, grüßen allerdings den Geisterwanderer mit den lustigen gelben Socken.

Bevor ich mich versehe, sind knapp 15 km geschafft und ich fühle mich gut. Also geht’s weiter Richtung Noja, da allerdings finde ich keine Bleibe die mir zusagt. Schon 28 km gelaufen, da gönne ich mir mal den Bus nach Santoña. Das gleiche Problem, aber von Regen nichts zu sehen und tollstes Wetter. Zwei große Alster später nehme ich das kleine Schiff um nach Laredo zu gelangen, da wird doch was gehen! Ich ziehe mir die Schuhe aus und laufe weitere 4km am Strand entlang, ich bin immer noch fit. Aber auch keine gescheite Unterkunft. Ok, die Etappe nach Costra Urdiales kenne ich vom letzten Mal, die ist eh Grütze. Also noch mal in den ALSA Bus und nach Costra, dort übernachte ich in der Pension La Mar, die kenne ich auch noch vom letzten Jahr.

Morgen laufe ich aber wirklich nicht weit.

Wahrscheinlich.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s